Radolfzell gegen Shell

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Am Konzertsegel in Radolfzell fand am heutigen Sonntag, 12. Juli, um 11 Uhr der "Sängerkrieg der Heidehasen" von James Krüss statt. Greenpeace Bodensee postierte sich dort, um Spenden für Shells Putzkolonne zusammenzutragen: Wenn der Konzern in der Arktis bohrt, wird er irgendwann Öl wegwischen müssen. Greenpeace-Ehrenamtliche sammeln daher seit dem 4. Juli bundesweit Stoffreste für einen riesigen Putzlappen. Passanten können ihre persönliche Botschaft an den Ölkonzern auf die Stoffreste schreiben; so steht jeder kleine Lappen für einen Menschen, der gegen Shells Ölbohrungen in der Arktis protestiert. Die Tausende Lappen werden schließlich zu einem riesigen Feudel zusammengenäht und Shell übergeben.

Absurd? Ja, gewiss. So absurd wie der Glaube, die Arktis könne im Falle eines Ölunfalls wieder gesäubert werden. Trotzdem will Shell in diesem Jahr vor der Küste Alaskas erneut nach Öl suchen. Der genehmigte Zeitraum für die Bohrungen hat am 1. Juli begonnen. Die Bohrinsel "Polar Pioneer" und das mängelbehaftete Bohrschiff "Noble Discoverer" sind auf dem Weg nach Norden zur Tschuktschensee.

Das Risiko ist gewaltig: Sollte der Konzern Öl finden und fördern, ist mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit mit mindestens einem schweren Unfall zu rechnen! Davon gehen die Fachleute der US-Behörde Bureau of Ocean Energy Management aus – derselben Behörde, die Shells Probebohrungen genehmigt hat. Schon diese Probebohrungen gefährden tausende Wale und Robben, denn seismische Tests, Bohrungen und Eisbrecher führen zu einer enormen Lärmbelastung.

Shells Notfallpläne sind völlig unzureichend: Der Konzern hat seine Notfallausrüstung für den Fall eines Ölaustritts noch nie unter arktischen Bedingungen getestet. 2012 wurde eine spezielle Vorrichtung zum Auffangen von auslaufendem Öl („Absaugglocke“) bei Tests „wie eine Bierdose zerquetscht“. Ein erster Test der Notfalltechnik in den Gewässern Washingtons im März dieses Jahres war von der zuständigen US-Behörde, dem Bureau of Safety and Environmental Enforcement (BSEE) zunächst als erfolgreich bestätigt worden, später wurden jedoch Zweifel bekannt. Die Behörde veröffentlichte die jedoch erst, nachdem Greenpeace auf der Grundlage des Freedom of Information Act die Herausgabe der Informationen beantragt hatte.

Doch selbst wenn Shell alle Auflagen erfüllen sollte, bleibt das Risiko mit einer 75-prozentigen Unfallwahrscheinlichkeit viel zu hoch! Greenpeace fordert deshalb einen sofortigen Stopp der Ölsuche: Es ist schlimm genug, dass der Ölkonzern die Arktis skrupellos aufs Spiel setzt. Dass die US-Regierung ihn dabei auch noch unterstützt, ist jedoch ein echter Skandal. Denn nach der katastrophalen Pannenserie bei Shells Probebohrungen 2012 kündigte die Regierung an, den Konzern nur bei Erfüllung strengster Kriterien und Auflagen erneut in der Arktis operieren zu lassen. Stattdessen enthält sie der Öffentlichkeit jetzt sogar Informationen vor, die Shells Fahrlässigkeit belegen.

Auch das UNESCO-Welterbe-Komitee fordert von der US-amerikanischen Regierung einen Stopp der geplanten Bohrungen vor Alaskas Küste: Zunächst müssten eventuelle Auswirkungen eines Ölunfalls auf das nah gelegene Naturreservat Wrangel-Insel in der russischen Arktis vollständig erfasst und dem Komitee vorgelegt werden, hieß es am 1. Juli auf der Welterbe-Konferenz in Bonn. Die Wrangel-Insel gilt als Arche Noah der Arktis und ist eine wichtige „Eisbären-Kinderstube“. 2004 wurde sie in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten aufgenommen. Sollte es bei Shells Bohrungen zu einem Unfall kommen, könnte das Öl innerhalb weniger Wochen die Küsten der Insel erreichen.

Der riesige Feudel der Greenpeace-Aktivisten soll Shell daran erinnern, was dann fällig wird. Wer sich an der Putzlappen-Aktion beteiligen möchte, kann seinen Stoffrest bis zum 16. August auch per Post einschicken an: Natalie Neubauer, Johanniterstraße 30, 78333 Stockach.

Oder Sie gestalten einfach einen virtuellen Putzlappen: Mit ein paar Klicks können Sie neben Ihrer Botschaft und Ihrem Namen auch Farbe und Muster aussuchen. Wir lassen die Lappen dann drucken und vernähen sie zusammen mit allen übrigen Putzlappen. Dazu gehts hier entlang: https://www.savethearctic.org/de/rags