Ökomarkt Engen

Media

Am Sonntag, den 25. September, stand die Engener Altstadt im Zeichen des jährlichen Ökomarkts: Rund 70 Teilnehmer aus dem Natur- und Umweltschutz hatten ihre Stände aufgebaut. Feilgeboten wurden Biolebensmittel wie Marmelade, Honig und Backwaren, Gemüse, Säfte und Weine. Aber auch ökologische Initiativen und Firmen waren vertreten und informierten zu Themen wie Solarenergie, Wasseraufbereitung oder umweltschonendes Heizen. Der Ökomarkt in Engen hat sich als regionales Umweltforum im Bodensee-Hegau-Raum etabliert und ist bei Teilnehmern und Besuchern gleichermaßen beliebt. Wir waren mit einem Infostand vor Ort zum Thema Pestizide und ihre Auswirkungen auf Bienen und den Obstanbau am Bodensee. Kinder und Erwachsene konnten ein Bienenquiz lösen und dabei Preise gewinnen.

In den letzten Jahren starben allein in Deutschland pro Jahr etwa ein Drittel der Bienenvölker. Etwa 30 Prozent unserer Nahrungsmittel hängen von der Bestäubung ab. Der starke Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft ist neben Faktoren wie Klimawandel, Parasiten und Krankheiten ein wichtiger Grund für das Bienensterben – und er ist am leichtesten zu beheben. Auch Gartenbesitzer können den Bienen helfen, indem sie bienenfreundliche Gärten anlegen und auf bienengefährliche Insektenvernichtungsmittel verzichten.

Äpfel sind das beliebteste Obst in Deutschland - und auch das am meisten gespritzte. Die Früchte im Supermarktregal überschreiten zwar nur selten den gesetzlich festgelegten Grenzwert für Pestizidrückstände. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft zurückgegangen ist. Die Landwirte hören nur früher mit dem Spritzen auf, damit die Äpfel zur Erntezeit möglichst wenig belastet sind. Obstbauern spritzen Äpfel im Durchschnitt 21 Mal pro Jahr, oft mit mehreren Mitteln gleichzeitig: Bei der Analyse von Blätter-, Blüten- und Apfelproben fand Greenpeace bis zu 11 verschiedene Wirkstoffe, darunter auch bienengefährdende Substanzen.

Greenpeace hatte bereits im Frühjahr 2015 36 Wasser- und 49 Bodenproben aus 12 europäischen Ländern auf Pestizidrückstände untersucht. Dabei fanden sich Reste von Pestizidcocktails aus bis zu 13 Mitteln. Bodenproben aus dem Alten Land und vom Bodensee zeigten zwischen zwei und elf verschiedene Wirkstoffe. Auch das umstrittene und wahrscheinlich krebserregende Glyphosat wurde in einigen Bodenproben nachgewiesen. Viele Pestizide sind sehr langlebig und überdauern Jahre im Boden, sie werden aber auch ausgewaschen und gelangen so in Flüsse und Seen.

Fazit: Die industrielle Landwirtschaft ist auf Dauer keine Lösung. Wir brauchen dringend eine andere Form der Landwirtschaft: den ökologischen Anbau! Wollen wir weg von den Pestiziden, muss ein Umdenken stattfinden - resistentere Sorten und Nützlinge müssen als Teil der Lösung zum Einsatz kommen. Von heute auf morgen geht das nicht, aber auf dem Weg dorthin müssen wir den Pestizideinsatz reduzieren: etwa durch eine Pestizidsteuer. Und wer schon jetzt keine Chemie im Obst will, kauft besser Bio: Die Erzeugnisse von Ökobauern waren im Test erwartungsgemäß komplett unbelastet. Greenpeace fordert deshalb die Supermärkte auf, mehr ökologische Produkte anzubieten. Denn wenn mehr Bio gekauft wird, sinkt auch der Bedarf an Gift.

 

Publikationen